Samstag Vormittag, bei etwas unsicherer Wetter-Prognose, machen wir uns auf den Weg ins Montafon. Im Gepäck: viel zu schwere Rucksäcke mit Steigeisen, Eispickel, Seil. Das Ziel ist der Piz Buin im Montafon, ein 3312 m hoher Berg oberhalb des Ochsentaler Gletschers.

Versteckt hinter Bludenz und einer kostpflichtigen Mautstraße sind auf einmal Parkplätze, Baustellen, Autos und Touristen. Wir sind am Silvretta-Stausee angekommen. Von dort geht’s mit den Rädern zunächst am Stausee vorbei und dann einen Wirtschaftsweg entlang zur Wiesbadener Hütte (2443 m). Dort erwartet uns eine Tasse Kaffee, die 4,20 € kostet und als „Filterplörre übelster Sorte“ zu bewerten ist. Trotzdem: Die Stimmung ist gut; die Septembersonne strahlt und vor uns liegt eine Nacht und ein Tag Abenteuer. Wir schlafen bei angenehmen Temperaturen und wenig Wind im Freien in der Nähe der Hütte. Einzige Störung der Nachtuhe bringt eine Gruppe Italiener, die irgendwann aus der Dunkelheit erscheint und lautstark beginnt, in der Nähe ihr Zelt aufzuschlagen.

4:30 Uhr, der Wecker klingelt. Im Halbschalf den Rucksack packen, Stirnlampe anschalten und los. Als wir uns umsehen, funkeln vereinzelt auf dem Vermunt- und dem Ochsentaler Gletscher schon Lichter, die Ersten sind also schon aufgebrochen. Bei Tagesanbruch ist der Ochsentaler Gletscher erreicht. Erstmals an diesem Tag geht’s mit Steigeisen an den Füßen und sorgfältig aneinandergeknotet durch steiles Eis. Oben liegt das Plateau des Ochsentaler Gletschers, durchzogen von Gletscherspalten und teilweise noch unter Schnee. Nach einigen kühnen Sprüngen und tiefen Blicken in den Gletscher ist die Buin-Lücke erreicht, die einen tollen Blick nach Westen bietet. Erstmals geben die Berge den Blick auf die imposante und tief verschneite Berninagruppe und ihre 4000er frei. Der Weg führt uns durch ein großes Geröllfeld, später durch wunderbar griffigen und festen Granit mit kleinen Kletterstellen zum Gipfel. Geschafft! Die Höhenluft, das Gewicht der Rucksäcke und das Gehen auf dem Gletscher haben uns irgendwie zu schaffen gemacht. Am Gipfel gibt’s einen Whisky und ein Kippchen. Gesundheitsbewusst am Berg.

Nach einem kurzen und knackigen Abstieg erreichen wir wieder die Wiesbadener Hütte. Nun die letzt Hürde: Die Fahrräder sind alle für dieses Gelände allesamt ungeeignet. Mit wenig Luft in den Reifen und ein bisschen Angst im Nacken (Bremsen und Weg mögen nicht recht harmonieren) fahren wir an Fußgängern und Bergsteigern vorbei. Hundemüde, aber zufrieden, erreichen wir den Parkplatz. Das Wetter hat gehalten, kaum drei Stunden später beginnt es zu schütten.